Authentisch und perfekt:

Was ein inklusives Redaktionsteam verändern kann

Elf Menschen sitzen an einem Tisch, Fachkräfte und Beschäftigte der Lebensgemeinschaft Eichhof in Much. Eigentlich geht es an diesem Tag um Social Media. Doch schnell wird klar, dass es um mehr geht als um Instagram, Fotos oder Videos. Es geht um die Frage, wer die Geschichten einer Einrichtung erzählt und wer dafür bisher kaum die Möglichkeit hatte.

Eine Herausforderung, die viele Werkstätten kennen

Social Media soll heute vieles gleichzeitig leisten: Angehörigen Einblicke geben, neue Mitarbeitende ansprechen, Produkte zeigen und deutlich machen, was eine Einrichtung ausmacht. Was dafür nötig wäre, fehlt jedoch oft, nämlich Zeit. In vielen Einrichtungen liegt die Verantwortung bei einer einzigen Person, zusätzlich zum vollen Arbeitsalltag. Selten ist fehlende Motivation das Problem, sondern fehlende Strukturen: Wer sammelt Themen, wer macht Fotos, wer plant und veröffentlicht? Bleiben diese Fragen offen, hängt die gesamte Kommunikation an wenigen Schultern. Deshalb beginnen wir in unseren Workshops nicht mit Plattformen oder Algorithmen, sondern mit den Menschen und den Strukturen dahinter.

Was macht diesen Ort besonders?

Auch auf dem Eichhof stand am Anfang nicht Instagram, sondern eine Frage: Was macht diesen Ort besonders? Die Antworten kamen nicht als Marketingsätze, sondern als Lieblingsorte, etwa die Bäckerei, der Dorfladen, der Friedwald und die Landwirtschaft. Daraus entstanden die Werte, die später die Redaktionsarbeit trugen: Gemeinschaft, Qualität, Selbstbestimmung, Hilfsbereitschaft, Freude und Liebe. Gute Kommunikation beginnt eben nicht mit einem Beitrag, sondern mit einem gemeinsamen Verständnis davon, wofür man stehen möchte.

Gute Geschichten sind oft schon da

Viele Einrichtungen glauben anfangs, sie hätten zu wenig Themen. Unsere Erfahrung ist meist eine andere: Die Geschichten sind längst da, sie werden nur nicht als Geschichten wahrgenommen. Ein besonderes Produkt aus der Werkstatt, ein Rezept aus der Küche, ein kleiner Moment aus dem Alltag. Für die Menschen vor Ort ist das selbstverständlich, für Außenstehende oft genau der authentische Einblick, der zählt. Damit solche Themen sichtbar werden, arbeiten wir mit vier einfachen Kategorien: Menschen, Arbeit, Momente und Wissen.

Nicht über Menschen sprechen, sondern mit ihnen und durch sie

Menschen sollen Kommunikation nicht nur erleben, sondern mitgestalten. Deshalb arbeiten Fachkräfte und Beschäftigte in unseren Workshops gemeinsam. Sie entwickeln Themen, machen Fotos, führen Interviews und entscheiden zusammen, welche Geschichten erzählt werden. Auf dem Eichhof zeigte sich schnell, wer worauf Lust hat. Die einen fotografieren gern, andere führen Interviews, wieder andere entdecken Themen oder lernen, Videos zu schneiden. Die wichtigste Erkenntnis ist dabei oft die einfachste: Nicht jede Person muss alles können, aber jede Person kann etwas beitragen.

Ein guter Workshop endet nicht mit einem Gruppenfoto und schönen Ideen. Auf dem Eichhof entstanden deshalb zwei Kernteams, eines für den Biohof und eines für den Eichhof. Aufgaben wurden verteilt, Treffen vereinbart und ein erster Redaktionsplan entwickelt. Denn die eigentliche Herausforderung ist nicht, Inhalte zu finden, sondern eine Arbeitsweise zu entwickeln, die dauerhaft trägt.

Einfach ausprobieren

Nach den ersten inhaltlichen und organisatorischen Schritten ging es in die Praxis. In kleinen Gruppen zogen die Teilnehmenden mit ihren Smartphones über das Gelände, führten Interviews, nahmen kurze Videos auf und probierten Ideen aus. Perfekte Beiträge entstanden dabei nicht, und das war auch nicht das Ziel. Wichtiger war die Erfahrung, dass Social Media kein abstraktes Thema bleiben muss. Als die Gruppen ihre Ergebnisse gemeinsam anschauten, ging es längst nicht mehr nur um Fotos oder Videos, sondern um Stolz, Anerkennung und das gute Gefühl, etwas Eigenes geschaffen zu haben.

Authentisch statt perfekt

Spannend war die Frage, wie sich der Eichhof künftig zeigen möchte. Schnell entstand die Idee, mit kurzen Videos zu arbeiten und den Alltag humorvoll und nahbar sichtbar zu machen, so, wie das Leben dort tatsächlich aussieht. Genau darin liegt oft die größte Stärke sozialer Einrichtungen. Menschen interessieren sich nicht für Hochglanzbilder, sondern für echte Einblicke und echte Begegnungen. Authentizität entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Beteiligung.

Was bleibt?

Am Ende des Tages stand mehr als ein Redaktionsplan. Es entstand ein gemeinsames Verständnis davon, wie ein Redaktionsteam funktioniert, welche Rollen es braucht und wie Beschäftigte und Fachkräfte zusammen Verantwortung übernehmen. Der Workshop auf dem Eichhof zeigt, was wir immer wieder erleben: Die besten Geschichten müssen nicht erfunden werden. Sie sind schon da. Man muss nur Strukturen schaffen, damit sie erzählt werden können.

Gute Beiträge beginnen nicht mit dem Posten, sondern mit einer Frage: Was wollen wir erzählen und wer gestaltet mit?

Du möchtest ein inklusives Redaktionsteam aufbauen und eure Kommunikation gemeinsam weiterentwickeln?

Wir begleiten soziale Einrichtungen und Organisationen dabei, Kommunikation inklusiv zu gestalten: praxisnah, verständlich und ressourcenschonend.

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